So macht sich ein gereizter Darm bemerkbar

Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Völlegefühl und Übelkeit – wenn der Darm gereizt ist, sind das die häufigsten Symptome. Die Beschwerden können bei Betroffenen ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, gleichzeitig oder abwechselnd und wiederkehrend auftreten. Manche leiden zwar regelmäßig an Reizdarm, jedoch nicht so stark, dass der Arzt hinzugezogen werden müsste. Bei anderen ist eine ärztliche Abklärung und Behandlung notwendig. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn sich starke Durchfälle mit Verstopfung abwechseln oder der Bauch anhaltend stark aufgebläht ist. Zusätzlich zu den typischen Magen-Darm-Symptomen gibt es Reizdarm-Patienten, die außerdem Kopfschmerzen und Schlafstörungen haben. Gerade bei einem chronischen Reizdarm kann es auch zu Ängsten und depressiven Verstimmungen kommen. Betroffene berichten auch davon, dass ihre Lebensqualität aufgrund der Erkrankung beeinträchtigt ist und sie ihren Alltag nicht mehr so unbeschwert leben können, wie es vor dem Reizdarm der Fall war.

Es gibt verschiedene Reizdarm-Typen: den Durchfall-Typ, den Verstopfungs-Typ, den Schmerz-Typ, den Bläh-Typ und den Gemischten-Typ. Sie werden nach dem jeweiligen Hauptsymptom unterschieden, unter dem Betroffene leiden.

Nach den medizinischen Kriterien, den sogenannten Rom IV-Kriterien, liegt ein Reizdarmsyndrom (RDS) dann vor, wenn Betroffene über mindestens drei Monate an einem Tag pro Woche an Bauchschmerzen leiden, die mit mindestens zwei der folgenden weiteren Beschwerden zusammen auftreten:

  • Schmerzen bei der Stuhlentleerung,
  • mit einer veränderten Stuhlfrequenz,
  • mit einer veränderten Stuhlkonsistenz.

Ob es sich um einen Reizdarm handelt oder ob die Symptome aufgrund einer anderen organischen Erkrankung auftreten, klärt ein Arzt im Rahmen einer Ausschlussdiagnose.

Reizdarm kann ganz unterschiedliche Auslöser haben

Die Darmschleimhaut ist bei Reizdarm-Patienten schmerzempfindlicher, die Darmbewegungen sind gestört – doch wie kommt es dazu? Mediziner gehen davon aus, dass bei einem gereizten Darm in der Regel mehrere Ursachen zusammenkommen.

Das können Essgewohnheiten sein, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Zöliakie, aber auch Stress und Depressionen. Bekannt ist außerdem, dass die Beschwerden bei rund einem Viertel der Betroffenen erstmals nach einer Behandlung mit Antibiotika aufgetreten sind. Antibiotika sind somit Segen und Fluch in einem: Sie bekämpfen zuverlässig und sicher bakterielle Erreger, bringen dabei aber das mikrobielle Gleichgewicht im Darm durcheinander. Krankmachende Bakterienstämme, wie Clostridien und E. coli, verdrängen gesundheitsfördernde Bakterien, wie Bifidobakterien und Laktobazillen. Dadurch funktionieren deren Aufgaben, unter anderem die Verstoffwechslung des Speisebreis und die Stärkung des Immunsystems im Darm, nicht mehr optimal. Reizdarm-Patienten haben häufig ein solches Ungleichgewicht in ihrer Darmflora. Neben dieser Medikamenten-Nebenwirkung zeigen Untersuchungen, dass sieben bis 30 Prozent nach einer bakteriell bedingten Magen-Darm-Infektion (Gastroenteritis) einen Reizdarm entwickeln.

Häufige Ursache: eine durchlässige Darmbarriere

Auch ein durchlässiger Darm kann hinter dem Reizdarm stecken. Die Darmbarriere lässt bei Gesunden die Nährstoffe aus dem Speisebrei in den Blutkreislauf passieren. Gleichzeitig verhindert sie, dass dies unverdauten Nahrungsbestandteilen, Bakterien, Toxinen und Stoffwechselprodukten ebenfalls gelingt. Ist die Darmbarriere jedoch durchlässig, erfüllt sie diese wichtige Schutzfunktion nur noch unzureichend. Es kommt dann zum sogenannten Leaky Gut Syndrom. Leaky Gut ist eine Bezeichnung aus dem Englischen, die sich mit durchlässiger oder undichter Darm übersetzen lässt. Mediziner sprechen dabei meist von einer Störung der (gastro-)intestinalen Permeabilität oder einer gestörten Darmbarriere. Bei Betroffenen kann dies dazu führen, dass sich die Darmschleimhaut (intestinale Mukosa) entzündet und diese schädigt. Möglich ist auch, dass sich der Körper wehrt, indem er gegen bestimmte Nahrungsbestandteile Antikörper bildet und Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufbaut.

Kommt auch immer wieder vor: ein Ungleichgewicht der Darmflora

Es ist heute bekannt, dass die Darmflora bei vielen Reizdarm-Patienten aus der Balance ist. Mediziner nennen das Dysbiose. Dabei haben die krankmachenden Bakterien überhand gewonnen und gute Bakterien verdrängt. Zu einem solchen Ungleichgewicht kann es aus ganz unterschiedlichen Gründen kommen und u.a. auch nach Antibiotikabehandlungen.

Hätten Sie’s gewusst?

Darmbarriere

  • Die Darmbarriere arbeitet wie eine Firewall mit drei Schutzebenen: der Darmflora, der Darmschleimhaut und dem Darm-assoziierten Immunsystem.
  • Ein gesunder Darm ist komplett mit Schleim ausgekleidet.
  • Der Schleim hält die Bakterien auf Abstand und sorgt dafür, dass diese nicht in den Blutkreislauf gelangen.
  • Die Zellen in der Darmschleimhaut werden bei Gesunden innerhalb von drei Tagen vollständig erneuert.

Darmflora

  • Die Darmflora ist so individuell wie ein Fingerabdruck.
  • Bekannt sind rund 1.000 unterschiedliche Arten von Darmbakterien.
  • Die Besiedelung mit Bakterien beginnt bei der Geburt, wenn das Neugeborene die Vaginal-, Darm und Hautkeime seiner Mutter aufnimmt.

Die Schutzfunktion des Darms stärken, Symptome sanft lindern

Ein gereizter Darm kann die Lebensqualität von Betroffenen ganz schön beeinträchtigen. Doch was tun, wenn einen Durchfall, Verstopfung und Co. quälen? Die gute Nachricht: Es gibt heute wirksame Präparate, die gleichzeitig die Darmwand schützen und die Darmflora stärken. Bei akuten Symptomen helfen auch pflanzliche Arzneistoffe, den gereizten Darm sanft zu beruhigen. Sie sind ohne ärztliches Rezept in der Apotheke erhältlich.

Darmbarriere und Darmflora unterstützen

Reizdarm-Patienten profitieren oftmals davon, ihre Darmbarriere zu stärken und gleichzeitig etwas für ihre Darmflora zu tun. Das ist mit Präparaten möglich, die sogenannte Mukoprotektoren enthalten, zum Beispiel Gelsectan®. Diese Mukoprotektoren schützen die angegriffene Darmwand beispielsweise durch eine Gel-Schicht. Dadurch werden Erreger und Bakterien daran gehindert, in die Darmwand und somit in den Blutkreislauf einzudringen. Der Schutzfilm trägt zudem zur Vorbeugung weiterer Entzündungen und Heilung bestehender Entzündungen bei. Durch Mukoprotektoren kann die natürliche Darmbarriere wiederaufgebaut werden – so verschwinden auch die Reizdarmsymptome wie Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen.

Besonders unterstützend für den Darm ist es, wenn die „guten“ darmeigenen Darmbakterien gleichzeitig mit Präbiotika gefüttert werden. Bei Präbiotika handelt es sich um Ballaststoffe, mit denen sich gezielt die gesundheitsfördernden Bakterienstämme im Darm aktivieren sowie vermehren lassen. Dadurch wird das Gleichgewicht in der Darmflora wiederhergestellt und Krankmacher wie Clostridien und E. coli werden zurückgedrängt. Wer stattdessen ausschließlich auf ein Probiotika-Produkt setzt, nimmt möglicherweise Darmbakterien ein, die gar nicht zu seiner ganz individuellen Darmflora passen.

Den Darm in Balance bringen

Bei den typischen Reizdarmbeschwerden wie Blähungen und Bauchschmerzen haben sich pflanzliche Arzneistoffe (Phytopharmaka) bewährt. Dabei handelt es sich vor allem um Angelikawurzel, Benediktenkraut und Pfefferminzextrakte. Ätherische Öle und Bitterstoffe in diesen Pflanzen regen die Produktion von Magen- und Gallensäure an. Es werden mehr Bauchspeicheldrüsenenzyme produziert und auch mehr des Verdauungshormons Gastrin, das wiederum aktiviert die Bewegungen des Magen und Darms und fördert die Verdauung. Eine Schmerzlinderung und Beruhigung des Darms tritt durch krampflösende, entzündungshemmende und antibakterielle Inhaltsstoffe ein.

Wann zum Arzt?

Der Darm ist anhaltend oder wiederkehrend gereizt? Durchfälle, Blähungen, Verstopfung sind eine Belastung? Dann ist es sehr wichtig, die Ursache für diese Verdauungsbeschwerden von einem Arzt abklären zu lassen. Hierbei ist der Hausarzt immer der erste Ansprechpartner. Für eine genaue Untersuchung des Darms wird er an einen Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen, einen Gastroenterologen, überweisen. Dieser hat eine ganze Reihe von Diagnostikmöglichkeiten.

Dazu gehört das Blutbild, über das die Entzündungswerte bestimmt werden, aber auch beispielsweise die Schilddrüsenwerte und die sogenannten Transglutaminase lgA- und lgG-Antikörper. Der Stuhl kann darüber hinaus im Labor auf verstecktes Blut und Parasitenbefall untersucht werden. Zudem geben Ultraschall und gegebenenfalls eine Darmspiegelung Aufschluss darüber, ob der Darm und andere Organe, wie Magen, Leber, Milz und Galle, in Ordnung sind oder ob sie krankhafte Veränderungen aufzeigen. Bei Frauen kann eine zusätzliche gynäkologische Untersuchung der Gebärmutter und Eierstöcke sinnvoll sein.

Mit wenig Aufwand den Darm beruhigen

Sanft den Darm unterstützen, selbst etwas tun – hierfür gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die jeder einfach ausprobieren kann. Dabei gilt: Gut auf den eigenen Körper achten: Bessern sich die Symptome, einfach das Hausmittel regelmäßig in seinem Alltag einbauen. Ansonsten wieder weglassen.

  • Entspannt Essen: Hektik vermeiden, sich Zeit nehmen und achtsam sein – das gilt für Reizdarm-Patienten besonders beim Essen. Einfach mal ausprobieren und in sich rein spüren, was sich verändert, wenn das Essen nicht in Eile herunter geschlungen wird.
  • Gut kauen: Experten empfehlen, jeden Bissen bis zu 40mal zu kauen. So wird das Essen bereits im Mund gut zerkleinert, mit Speichel vermengt und vorverdaut. Der Darm hat weniger Arbeit und kann sich beruhigen.
  • Wärme nutzen: Wer im Stress ist, dessen Muskeln sind häufig auch verspannt. Wärme hilft, wieder runter zu kommen. Bei Reizdarm tut daher ein Vollbad gut. Auch eine Wärmflasche oder ein warmes Körnerkissen helfen, den Darm zu beruhigen.
  • Tees trinken: Es gibt Tees, die sind bekannt für ihre beruhigende und wohltuende Wirkung für den Darm. Gut tun vor allem Anis- und Fencheltee. Wem auch schlecht ist, kann sich einen Kamillen oder Ingwertee machen. Also: einfach Wasser kochen, Tee aufgießen, ziehen lassen und in kleinen Schlucken genießen.
  • Flohsamen: Das Pulver aus dem Flohsamen quillt in Flüssigkeit auf und bildet Schleim. Beides kann bei Reizdarm-Symptomen helfen. Einfach einen Esslöffel Flohsamen in ein Glas Wasser rühren und trinken. Wer das eine Zeit macht, unterstützt damit, dass sich die Verdauung sanft wieder regulieren kann.
  • Mehr bewegen: Öfter mal einen Verdauungsspaziergang nach dem Essen einplanen, Treppen steigen, Besorgungen mit dem Rad machen oder sich zu einem Yoga-Kurs anmelden. Bewegung steigert das Wohlbefinden und tut auch dem Darm gut.
  • Bauch massieren: Sanft den Bauch massieren und damit muskuläre Verspannungen lösen. Auch das kann den Darm beruhigen. Jedoch nicht in den Schmerz reinmassieren. Wenn es weh tut, aufhören.

Low-FODMAP hilft dem Darm

Reizdarm und Ernährung hängen direkt zusammen. Daher ist wichtig, genau hinzuschauen, was man isst und für sich selbst zu überprüfen, ob es Lebensmittel gibt, auf die der Darm gereizt reagiert. In den letzten Jahren sind dabei die sogenannten FODMAPs (Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole) immer stärker in den Fokus gerückt. FODMAPs sind nicht per se schlechte Lebensmittel. Bei ihrer Verdauung entwickeln sich aber Gase, die blähen und Reizdarm-Symptome auslösen können.

Reizdarm-Patienten kann eine FODMAP-reduzierte Ernährung helfen, ihre Beschwerden zu lindern. Wer diese Ernährungsumstellung ausprobieren will, streicht FODMAPs sechs bis acht Wochen ganz aus seinem Speiseplan. Im Anschluss werden dann einzelne Lebensmittel nach und nach wieder ergänzt. Dabei wird ausprobiert, ob sie gut vertragen werden oder eher nicht.

Hier gibt es eine kurze Übersicht über die Dos und Don‘ts der FODMAP-reduzierten Ernährung:

FODMAP-Do’s

Obst: Beeren-Früchte, Zitronen, Banane, Kiwi, Mandarine, Honigmelone, Orange
Gemüse: Fenchel, Spinat, Kürbis, Aubergine, Möhren, Radieschen, Brokkoli, Pastinaken, Tomaten, Oliven, Zucchini
Getreide: Buchweizen, Dinkel und Hafer
Süßungsmittel: Haushaltszucker in kleinen Mengen, Glukose
Fleisch: fettarmes, gekochtes Fleisch
 
Fisch: Meeresfrüchte und Fisch ohne Panaden, in der Pfanne gedämpft

FODMAP-Don‘ts

Obst: Äpfel, Birne, Mango, Pfirsich, Pflaume, Dörrobst
Gemüse: Artischocke, Avocado, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Lauch, Blumenkohl, Weiß- und Rotkohl, Knoblauch, Pilze
Getreide: glutenhaltige Produkte aus Weizen, Roggen etc.
Süßungsmittel: Fruktose- und Sorbit-haltige Produkte, Light-Produkte
Fleisch: verarbeitetes, fettreiches, frittiertes und paniertes Fleisch, Wurst
Fisch: verarbeiteter, fettreicher, frittierter und panierter Fisch

Es gibt einen engen Zusammenhang

Viele kennen das: Vor einem öffentlichen Auftritt rennt man immer wieder zur Toilette, vor einem Date kriegt man keinen Bissen runter. Emotionen schlagen auf Magen und Darm. Und das ist auch kein Wunder, denn es gibt eine enge Verbindung des Verdauungsorgans mit unserer Psyche.

Welche Verbindungen das genau sind:

  • Serotonin: Das Glückshormon wird zu mehr als 90 Prozent im Dünndarm hergestellt.
  • Gehirn im Darm: Mediziner sprechen vom sogenannten enterischen Nervensystem (ENS). Das besteht aus rund 100 Millionen Nervenzellen und reguliert die Verdauung.
  • Darm-Hirn-Achse: Eine Art Datenautobahn, auf der Informationen zwischen beiden Organen ausgetauscht werden. Übrigens: 90 Prozent der Information gehen vom Darm zum Gehirn und nur zehn Prozent in die andere Richtung.
  • Vagusnerv: Er ist an vielen wichtigen Aufgaben der Verdauung beteiligt. Der Vagusnerv ist im vegetativen Nervensystem dafür verantwortlich, dass wir entspannen können und zu Ruhe kommen. Daher wird er von Experten oft auch als Ruhe-Nerv bezeichnet.
  • Mikrobiom: Neue Untersuchungen zeigen, dass es auch eine direkte Verbindung zwischen dem zentralen Nervensystem (ZNS) und den Mikroorganismen im Darm, also dem Mikrobiom, gibt. Es gibt daher Experten, die anstelle von Mikrobiom schon von Psychobiom sprechen.

So wird schnell nachvollziehbar, dass Stress, Anspannung und innere Unruhe Reizdarm-Symptome verstärken können. Auf der anderen Seite stört beispielsweise eine durchlässige Darmbarriere, mit Entzündungen der Darmschleimhaut, das sensible Gleichgewicht im Darm. Das kann auch auf die Stimmung schlagen.

Daher ist klar: Wer sich um seine Darmgesundheit und insbesondere auch um eine gesunde Darmbarriere kümmert, macht gleichzeitig auch etwas für seine Psyche. Wer zusätzlich für regelmäßige Entspannungsmomente in seinem Alltag sorgt, hilft seinen Darm zu beruhigen.

Erholsame Ich-Zeit einplanen hilft auch dem Darm

Achtsam sein, auf seinen Körper hören, für regelmäßige Entspannung sorgen – das hilft vielen Reizdarm-Patienten, ihren Darm zu entspannen und sich besser zu fühlen. Dabei gilt: Einfach ausprobieren, was einem selbst am besten bekommt. Manche entspannen sich lieber aktiv beim Sport, Yoga oder Waldspaziergang. Andere brauchen Ruhe, nehmen ein Vollbad, lesen ein Buch oder meditieren. 

Doch warum ist Entspannung bei Reizdarm so wichtig? Das hängt damit zusammen, dass es eine komplexe Verbindung zwischen unserer Psyche und dem Darm gibt. Über die Darm-Hirn-Schranke findet zum Beispiel ein direkter Austausch an Informationen zwischen beiden Organen statt. Der Vagusnerv ist sowohl an vielen Verdauungsvorgängen beteiligt als auch im vegetativen Nervensystem für Ruhe und inneren Ausgleich verantwortlich. Bekannt ist heute auch, dass Reizdarm-Patienten empfindlicher auf Schmerz im Darm reagieren als Gesunde. Viele Betroffene fühlen sich auch gestresst und haben depressive Verstimmungen.

Entspannung tut dem gereizten Darm gut

Allerdings ist manchmal der Alltag so hektisch, dass die Zeit mit sich selbst hinten runterfällt. Die Kinder müssen nach der Schule zum Sport oder auf einen Kindergeburtstag, der Kühlschrank muss gefüllt werden und die Wäsche stapelt sich. Da ist oftmals kaum daran zu denken, fünf Minuten in Ruhe durchzuatmen. Doch genau das ist für Reizdarm-Patienten besonders wichtig.

Deshalb gibt es einige Tipps, die dabei helfen, regelmäßige Entspannung einzuplanen:

  • Feste Termine einplanen: Wer einen festen Termin für seine Ich-Zeit in den Kalender einplant, schafft es einfacher, sie einzuhalten.
  • Rituale schaffen: Es gibt Apps, die einen daran erinnern, zu einer bestimmten Uhrzeit innezuhalten. Um 16 Uhr klingelt dann zum Beispiel das Handy, und macht darauf aufmerksam, eine kurze Pause zu machen und die Zeit für Atemübungen zu nutzen. Kurze Entspannungsrituale werden bald schon so selbstverständlich wie das Zähneputzen.
  • Mit Freunden verabreden: Wenn der innere Schweinehund sehr groß ist und es einem immer wieder sehr schwerfällt, aktiv zu werden, kann man sich regelmäßig mit guten Freunden verabreden. Auch ein gemeinsamer langer Spaziergang im Wald entspannt.
  • Im Kurs aktiv werden: Alleine im Wohnzimmer Yoga machen oder meditieren ist oftmals besonders für Anfänger eine Herausforderung. Mehr Spaß macht das Üben vielen unter Anleitung und zusammen mit Gleichgesinnten.

Fehlende Enzyme führen zu Darmproblemen

Bei vielen Reizdarm-Patienten entstehen Symptome aufgrund einer Laktose- oder Fruktose-Intoleranz. Andere reagieren sensitiv auf Gluten oder haben sogar Zöliakie. Doch was genau ist da los im Darm und was kann man unternehmen?

Laktose- und Fruktose-Intoleranz

Für die Verstoffwechslung von Laktose und Fruktose im Darm werden Enzyme gebraucht. Bei Milchzucker ist das die Laktase, bei Fruktose ist es der sogenannte GLUT-5-Transporter. Sind diese Enzyme nicht in ausreichender Menge vorhanden, entstehen nach dem Verzehr von Milchzucker oder Fruchtzucker die Gase Methan (CH4), Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasserstoff (H2). Betroffene bekommen teils starke Blähungen, und Luft entweicht. Der Druck im Bauch fühlt sich unangenehm an, und man hat immer die Sorge, dass unangenehme Töne und Gerüche entweichen. Da Laktose auch Wasser im Darm bindet, erhöht sich infolgedessen der osmotische Druck und weiteres Wasser schießt in den Darm. Deswegen bekommen Menschen mit Laktose-Intoleranz nach dem Verzehr von Milch oder Milchprodukten oft Durchfall. Bei Menschen mit Fruktose-Intoleranz hingegen kann es über die Zeit auch zu einer Veränderung der Darmflora kommen. Der Grund: Während es heute recht einfach ist, Milchzucker weg zu lassen, ist das bei Fruchtzucker nicht möglich. Hier geht es darum, die Menge zu reduzieren und so die Beschwerden zu lindern.

Zöliakie und Glutensensitivität

Menschen mit Glutensensitivität reagieren – wie das Wort schon sagt – empfindlich auf Gluten. Das ist das Klebereiweiß in Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel und Grünkern. Zöliakie ist dagegen eine ernste Autoimmunerkrankung des Darms. Betroffene müssen penibel darauf achten, kein Gluten zu sich zu nehmen, da selbst geringste Kontaminationen mit Mehlstaub bei ihnen bereits heftige Reaktionen auslösen können.

Im Darm kann es bei Zöliakie zu teils schweren Entzündungen kommen, die wichtigen Darmzotten, werden zerstört und das Nervensystem des Darms wird geschwächt.

Was tun bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

  • H2-Atemtest: Mit einem einfachen H2-Atemtest kann der Arzt untersuchen, ob jemand eine Laktose- oder Fruktose-Intoleranz hat. Hierfür nimmt man auf nüchternen Magen entweder Milchzucker oder Fruchtzucker zu sich. Der Arzt misst, ob Wasserstoff mit ausgeatmet wird. Wasserstoff kommt ansonsten nicht im Körper vor.
  • Antikörper-Test: Wenn der Verdacht besteht, dass jemand an Zöliakie erkrankt ist, kann der Arzt zunächst im Blutbild die Transglutaminase lgA- und lgG-Antikörper testen. Sind diese erhöht, wird im Anschluss eine Darmspiegelung gemacht. Ist die Schleimhaut entzündet und die Zotten haben sich zurückgebildet, bestätigt sich die Zöliakie. Ein konsequenter Verzicht auf Gluten ist unbedingt nötig.
  • Ernährungsberatung: Nahrungsmittelunverträglichkeiten erfordern eine Ernährungsumstellung. Nach einer Diagnose beim Arzt hat dieser die Möglichkeit, ein Rezept für eine Ernährungsberatung auszustellen. Außerdem gibt es zahlreiche Bücher, in denen erklärt wird, auf was zu achten ist, die Lebensmittellisten anbieten und leckere Rezeptideen.

Leide ich unter Reizdarm?

Schon wieder Durchfall, der Bauch tut weh und ist aufgebläht. Wer anhaltend oder immer wieder an den typischen Reizdarmsymptomen leidet, braucht oft vor allem eins: Klarheit. Was ist mit meiner Verdauung los? Was kann ich tun?

Für die Diagnose führt der Arzt eine Ausschlussdiagnose durch und klärt dabei, ob es andere organische Erkrankungen gibt, die hinter den Beschwerden stecken. Der Arzt muss sich dafür zunächst ein genaues Bild davon machen, wie sich der Reizdarm bemerkbar macht.

Was sind die Hauptsymptome? Ist es eher Durchfall? Sind es Blähungen oder Verstopfung? Wann treten die Beschwerden auf? Nach dem Essen? Gibt es bestimmte Lebensmittel, die nicht gut vertragen werden? Diese und andere Fragen wird der Arzt zunächst in einem Gespräch mit dem Patienten klären, bevor er dann über die weitere Diagnostik zum Beispiel über ein Blutbild, Ultraschall und Darmspiegelung entscheidet.

Tagebuch führen bringt Klarheit

Daher ist es gut, wenn Betroffene ein Tagebuch führen. Hier schreiben sie auf, was sie essen und trinken, ob und wann es zu Darm-Beschwerden kommt, welche das sind, und wie die Stimmung an dem Tag war. Wer das zum Beispiel über zwei Wochen vor einem Arztbesuch regelmäßig und genau notiert und das Tagebuch dem Arzt vorlegt, erleichtert die Diagnosestellung.

Darüber hinaus verschafft einem die Dokumentation selbst mehr Klarheit darüber, was einem guttut und was eher nicht. So ist es einfacher seinen Lebensstil daran anzupassen, damit es einem besser geht und sich der Darm beruhigen kann.

In einem Reizdarm-Tagebuch sollte folgendes aufgeschrieben werden:

Essen: Was habe ich gegessen, in welcher Menge und zu welcher Uhrzeit?
Reizdarm-Symptome: Wann hatte ich Durchfall, Blähungen oder andere Symptome und wie stark waren meine Beschwerden?
Stimmung: Wie habe ich mich dabei gefühlt?

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